Lernhilfen & Vergleiche Klasse 1–4Klasse 5

Nachhilfe in der Grundschule: wann sie sinnvoll ist, online oder vor Ort, und was sie kostet

Bevor Sie für Nachhilfe zahlen, lohnt ein Gespräch mit der Schule. Hier steht, was die Forschung zur Wirkung sagt, welche kostenlosen Wege es gibt, was Anbieter verlangen und worauf Sie beim Vertrag achten sollten.

Kurz gesagt

  • In der Grundschule bekamen nach den jüngsten repräsentativen Zahlen aus den Jahren 2013 bis 2015 etwa 5 bis 6 Prozent der Kinder Nachhilfe.
  • Für bezahlte Nachhilfe fand die wichtigste deutsche Grundschulstudie keinen messbaren Vorsprung in Leistungstests; intensive, an den Unterricht gekoppelte Förderung wirkt in internationalen Schulstudien deutlich.
  • Rechnen Sie mit dem Monatsbetrag über die ganze Laufzeit, nicht mit dem Stundenpreis: Eine erste Laufzeit von 24 Monaten ist in AGB erlaubt.
  • Bekommt Ihre Familie zum Beispiel Grundsicherungsgeld, Kinderzuschlag oder Wohngeld, können Sie Lernförderung aus dem Bildungspaket beantragen, auch ohne Versetzungsgefährdung. Den Bedarf bescheinigt die Lehrkraft.
Inhalt dieses Artikels
  1. Wie verbreitet Nachhilfe in der Grundschule ist
  2. Was die Forschung zur Wirkung sagt
  3. Erst mit der Schule sprechen
  4. Online oder vor Ort, allein oder in der Gruppe
  5. Was Nachhilfe kostet
  6. Verträge: Laufzeit, Kündigung, Widerruf
  7. Bildungspaket: Lernförderung auf Antrag

Wie verbreitet Nachhilfe in der Grundschule ist

In der Grundschule ist Nachhilfe die Ausnahme. Die jüngsten repräsentativen Zahlen stammen aus den Jahren 2013 bis 2015.

Für die Bertelsmann Stiftung befragte infratest dimap Anfang 2015 bundesweit über 4.000 Eltern von Schulkindern zwischen sechs und 16 Jahren. Im Schuljahr 2014/15 bekamen danach in der Grundschule 4,9 Prozent der Kinder Nachhilfe, am Gymnasium 18,7 Prozent. Bezahlte und kostenlose Nachhilfe sind dabei zusammengezählt.[1] Das DIW kommt mit Daten von 2013 auf 6 Prozent der Grundschulkinder mit bezahlter Nachhilfe. In der ersten Klasse waren es etwa 2 Prozent, danach mit jeder Klassenstufe mehr.[2]

Größere Zahlen meinen meist etwas anderes. Die 47 Prozent aus der DIW-Auswertung beziehen sich auf 17-Jährige, die irgendwann in ihrer Schulzeit Nachhilfe hatten.[2] Eine Forsa-Umfrage von 2024 kam auf 22 Prozent der Kinder mit kostenpflichtiger Nachhilfe im Laufe der Schulzeit; beauftragt hat sie der Anbieter Studienkreis, Zahlen für die Grundschule nennt die Mitteilung nicht.[3]

In der Grundschule hing die Nachfrage in einer Studie aus Bayern und Hessen vor allem an schwachen Leistungen, nicht am Einkommen oder an der Bildung der Eltern.[4]

Was die Forschung zur Wirkung sagt

Hier muss man zwei Dinge trennen: private, bezahlte Nachhilfe in Deutschland und Förderprogramme, die meist Schulen in anderen Ländern organisieren. Über das erste weiß man wenig, über das zweite deutlich mehr.

Bezahlte Nachhilfe in Deutschland: kaum untersucht

Die wichtigste deutsche Studie zur Grundschule stammt von Nicole Luplow und Thorsten Schneider (2014). Sie werteten eine Langzeitstudie aus, die 2006 mit 2.395 Kindern an 82 Grundschulen in Bayern und Hessen begann, und verglichen Kinder mit bezahlter Nachhilfe mit möglichst ähnlichen Kindern ohne. Zwischen Klasse 3 und 4 legten die Nachhilfekinder in Kompetenztests in Deutsch und Mathematik nicht stärker zu.[4]

Die Grenzen nennen die Autoren selbst: Beginn, Dauer und Stundenumfang der Nachhilfe waren unbekannt, Noten haben sie nicht ausgewertet. Eine Wirkung auf Noten schließen sie deshalb nicht aus.[4] Für die Klassen 5 und 6 fand eine weitere Studie keinen Einfluss der Nachhilfe auf die Entwicklung in Mathematik.[1], [4] Die meisten deutschen Nachhilfestudien sind laut einer Expertise für das Bundesbildungsministerium von 2008 methodisch schwach, regional begrenzt oder auf einen einzelnen Anbieter bezogen.[4]

Mythos

Nachhilfe bringt bessere Noten.

Was die Forschung sagt

Für bezahlte Nachhilfe in Deutschland ist das nicht eindeutig belegt; zu diesem Schluss kommt auch die Bertelsmann-Studie.[1] Eine ältere Studie fand nach etwa sechs Monaten Nachhilfe bessere Noten, allerdings bei nur 41 Kindern und ohne Vergleichsgruppe.[4]

Erfolgsquoten aus der Werbung sind Angaben der Anbieter ohne Vergleichsgruppe. Die britische Education Endowment Foundation weist darauf hin, dass Auswertungen durch Beteiligte, etwa kommerzielle Anbieter, typischerweise größere Effekte zeigen.[5]

Förderung in der Schule: international gut untersucht

Eine Metaanalyse randomisierter Experimente von Nickow, Oreopoulos und Quan (2024) fand für Tutoring-Programme vom Vorschulalter bis Klasse 12 im Mittel einen deutlichen positiven Effekt (0,29 Standardabweichungen). Am stärksten wirkten Programme mit Lehrkräften oder pädagogischen Hilfskräften, in frühen Klassen, an mindestens drei Tagen pro Woche und während der Schulzeit.[6]

Die Education Endowment Foundation (EEF) in England bewertet Einzelförderung mit im Mittel etwa fünf Monaten zusätzlichem Lernfortschritt, bei mittlerer Beweislage (123 Studien, Stand Juli 2021). Sie wirkt eher, wenn sie zusätzlich zum Unterricht stattfindet und eng an ihn anknüpft. In Grundschulen war der Effekt größer als an weiterführenden Schulen, in Mathematik deutlich kleiner als beim Lesen und Schreiben. Am besten wirkten Einheiten von etwa 30 Minuten, drei- bis fünfmal pro Woche, über bis zu zehn Wochen.[5] Kleine Gruppen mit zwei bis fünf Kindern kommen bei der EEF auf im Mittel vier Monate zusätzlichen Fortschritt.[7]

Daraus folgt nicht, dass Nachhilfe am Nachmittag fünf Monate Vorsprung bringt. Untersucht wurde meist schulisch organisierte, strukturierte Förderung, oft während der Schulzeit und an den Unterricht gekoppelt. Kommerzielle Nachhilfe ist damit nicht gemeint, und ein Durchschnittswert ist für Ihr Kind keine Zusage.

Was Sie daraus für die Auswahl mitnehmen können

Die Merkmale wirksamer Programme taugen als Prüffragen. Zum Vergleich: In Deutschland hatten 2014/15 je 39 Prozent der Nachhilfekinder eine oder zwei Wochenstunden zu 45 Minuten.[1]

Merkmal aus den Studien So fragen Sie nach
Lehrkräfte oder pädagogische Hilfskräfte unterrichten[6] Wer unterrichtet Ihr Kind, mit welcher Ausbildung? Bleibt es dieselbe Person?
Eng am Unterricht[5] Wird mit dem gearbeitet, was gerade in der Klasse dran ist? Ist eine Absprache mit der Lehrkraft möglich?
Regelmäßig, mehrmals pro Woche[6], [5] Wie oft und wie lange sind die Termine? Passt das zum Schultag Ihres Kindes?
Kleine Gruppen[7] Wie viele Kinder sind höchstens dabei? Ab sechs bis sieben Kindern ließ die Wirkung in den Studien merklich nach.
Begrenzter Zeitraum[5] Was soll bis wann erreicht sein, und wann prüfen Sie gemeinsam, ob es noch nötig ist?
Unabhängige Auswertung[5] Auf welche Auswertung stützt sich ein Erfolgsversprechen, und wer hat sie gemacht?

Manche Institute werben mit Siegeln. Der Branchenverband VNN verpflichtet seine Mitglieder auf eigene Qualitätsstandards und hat nach eigener Angabe das TÜV-Rheinland-Siegel „Qualitätsstandard Nachhilfe“ mit angestoßen.[8] Das ist eine Selbstverpflichtung der Branche, keine staatliche Zulassung.

Erst mit der Schule sprechen

Bevor Sie Nachhilfe buchen, sprechen Sie mit der Klassenlehrkraft, aus zwei Gründen. Förderung wirkt in den Studien eher, wenn sie an den Unterricht anknüpft.[5] Und für die Lernförderung aus dem Bildungspaket muss die Lehrkraft den Förderbedarf bescheinigen.[9] Wie Sie das Gespräch vorbereiten, steht im Beitrag zum Elternsprechtag.

Kostenlose Förderung an der Schule

Ein Teil der Nachhilfe ist kostenlos: 26 Prozent der Eltern von Nachhilfekindern zahlten 2014/15 nichts dafür, an gebundenen Ganztagsschulen lag der Anteil kostenloser Angebote bei 34 Prozent.[1] Seit dem 1. August 2026 haben Kinder, die in die erste Klasse kommen, einen Anspruch auf ganztägige Förderung; ab dem Schuljahr 2029/2030 gilt er für die Klassen 1 bis 4.[10], [11] Fragen Sie an der Schule nach Lern- und Förderzeiten im Ganztag. Drei Beispiele, wie Länder die Förderung regeln:

  • Hamburg bietet seit dem Schuljahr 2011/12 an allen Schulen kostenlose Lernförderung an: Wer die Mindestanforderungen in einem Fach nicht erfüllt, wird zusätzlich zum Unterricht in kleinen Gruppen gefördert. Laut Schulsenatorin ist Hamburg das einzige Land mit kostenloser Lernförderung an allen Schulen.[12]
  • Nordrhein-Westfalen: Ist die Versetzung gefährdet, bekommt das Kind zum Halbjahresende eine schriftliche „Lern- und Förderempfehlung“.[13]
  • Berlin: Einen Warnbrief schreibt die Grundschulverordnung nicht vor. Die Klassenlehrkraft sucht rechtzeitig das Gespräch mit den Eltern, und die Schule plant Fördermaßnahmen.[14]

Was in Ihrem Land gilt, wenn die Versetzung wackelt, steht im Beitrag zu Zeugnis und Versetzung. Das Startchancen-Programm, gestartet zum Schuljahr 2024/25, verteilt Geld an gut 4.000 Schulen mit vielen sozial benachteiligten Kindern, vor allem Grundschulen; Nachhilfe als eigene Leistung nennt es nicht.[15], [16] Rat außerhalb der Klasse gibt die schulpsychologische Beratung, kostenfrei und vertraulich zum Beispiel in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg.[17], [18], [19]

Nachhilfe oder Lerntherapie?

Nachhilfe arbeitet Unterrichtsstoff auf. Hat Ihr Kind trotz Übung anhaltend große Mühe beim Lesen, Schreiben oder Rechnen, kann eine Lese-Rechtschreib-Störung oder eine Rechenstörung dahinterstecken. Das sollte abgeklärt werden, bevor Sie weitere Stunden im Schulstoff bezahlen. Mehr dazu in den Beiträgen zu LRS und Legasthenie und zur Dyskalkulie.

Für die Förderung bei einer Rechenstörung nennt die Leitlinie von 2018 Fachkräfte mit pädagogisch-therapeutischer Ausbildung nach den Standards der Verbände BVL und FiL.[20] Die Leitlinie ist abgelaufen, eine Neufassung ist für Ende 2026 angekündigt.[21] Die Krankenkasse zahlt Lerntherapie bei LRS und anderen isolierten Lernstörungen nicht als Heilmittel.[22] Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Jugendamt Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII gewähren, aber nur bei einer (drohenden) seelischen Behinderung, nicht wegen der Lernstörung allein.[23] Ausführlich erklärt das der Beitrag zur Lerntherapie.

Wann mehr dahinterstecken kann

Lassen Sie die Schwierigkeiten abklären, statt nur mehr Nachhilfe zu buchen, wenn …

  • Ihr Kind trotz regelmäßigen Übens anhaltend große Mühe beim Lesen, Schreiben oder Rechnen hat.
  • sich trotz Nachhilfe über längere Zeit nichts bewegt.
  • die Lehrkraft Sie auf anhaltende Schwierigkeiten anspricht.
  • Ihr Kind unter den Schwierigkeiten leidet oder Angst vor Klassenarbeiten oder vor der Schule entwickelt.

Erste Ansprechpartner

Klassenlehrkraft und Schulleitung. Die schulpsychologische Beratung (kostenfrei und vertraulich zum Beispiel in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg). Für die Stellungnahme, die das Jugendamt bei einem Antrag auf Eingliederungshilfe einholt: eine Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie.

Online oder vor Ort, allein oder in der Gruppe

Nachhilfe gaben 2014/15 laut Eltern vor allem ausgebildete Lehrkräfte sowie Studierende oder Schüler (je 30 Prozent) und Nachhilfeinstitute (27 Prozent). Computer- oder onlinebasierte Angebote nannten nur 4 Prozent, Mehrfachnennungen waren möglich.[1]

Ob Online-Nachhilfe Grundschulkindern genauso hilft wie Unterricht am selben Tisch, beantworten die hier genannten Studien nicht. Billiger ist sie nicht automatisch: Bei der Schülerhilfe kostet der Unterricht laut Anbieter online dasselbe wie vor Ort.[24] Andere Anbieter rechnen mit anderen Einheiten und Laufzeiten, die Preise lassen sich nicht direkt gegeneinander aufrechnen. Praktisch spart online den Weg, verlangt aber ein Gerät, einen ruhigen Platz und anfangs oft Hilfe bei der Technik.

Einzelunterricht oder Gruppe? Studien, die beides direkt vergleichen, kommen laut EEF zu gemischten Ergebnissen: Teils war Einzelunterricht besser, teils waren Gruppen mit zwei oder drei Kindern gleich gut oder besser.[5] Bei der Schülerhilfe hat eine Kleingruppe laut Anbieter drei bis fünf Kinder.[24] Einzelunterricht kostet bei denselben Anbietern je Einheit deutlich mehr, wie die Tabelle unten zeigt.

Was Nachhilfe kostet

Wir haben die Anbieter nicht selbst getestet und vergleichen ihre Leistungen nicht. Die Tabelle zeigt verschiedene Modelle, alphabetisch und ohne Rangfolge.

Anbieter Form Einheit Preis laut Anbieter Bedingungen
ABACUS Einzelnachhilfe zu Hause 90 Min. keine zentralen Preise veröffentlicht regional verschieden, beim örtlichen Institut erfragen[25]
GoStudent online, Einzelunterricht 50 Min. 20 € je Einheit bei 12 Einheiten im Monat bis 36,01 € bei 4 Einheiten im Monat 12-monatige Mitgliedschaft; dieselbe Seite nennt auch „ab 19,99 €“ und einen „Basispreis“ von 15,90 €, die Angaben widersprechen sich[26]
Schülerhilfe vor Ort und online, Kleingruppe mit 3 bis 5 Kindern 45 Min. ab 8,76 € bei 24 Monaten Laufzeit, ab 14,47 € bei 12 Monaten je nach Standort einmalige Anmeldegebühr bis 69 €; Bedingungen auf der Standortseite[24]
Schülerhilfe Einzelunterricht Stunde ab 24,12 € Preise je nach Standort; Bedingungen auf der Standortseite[24]
Studienkreis vor Ort, Kleingruppe, 2 × 90 Min. pro Woche 45 Min. 134,90 € im Monat (7,94 € je 45 Min.) bei 24 Monaten; 171,90 € (10,11 €) bei 12; 188,90 € (11,11 €) bei 6; 205,90 € (12,11 €) ohne Mindestlaufzeit einmalig 59 € Starterpauschale; Preisblatt „Tarif zwei_24“, Stand 10/2025; je Standort gibt es mehrere Tarifblätter[27]
Studienkreis vor Ort, Einzelunterricht, 2 × 45 Min. pro Woche 45 Min. 299 € im Monat (35,18 € je 45 Min.); Stundenpaket 45 € für 1 Stunde, 399 € für 10 ohne Mindestlaufzeit, einmalig 59 € Starterpauschale[27]
Studienkreis online je nach Buchung nicht im Seitentext, nur im Online-Rechner als Abo mit Laufzeit oder als Stundenpaket[28]

Preise laut Anbieter, abgerufen am 04.10.2026, je nach Standort verschieden.

Monatskosten statt Stundenpreis

Geworben wird mit dem Preis pro Stunde, binden wird Sie der Monatsbetrag. Beim Studienkreis kosten zweimal 90 Minuten Kleingruppe pro Woche bei 24 Monaten Laufzeit 134,90 Euro im Monat, ohne Mindestlaufzeit 205,90 Euro.[27] Unsere Rechnung: Über die 24 Monate sind das 3.237,60 Euro (24 × 134,90 Euro), dazu 59 Euro Starterpauschale. Braucht Ihr Kind die Hilfe nur ein halbes Jahr, kostet der Tarif ohne Mindestlaufzeit 1.235,40 Euro plus Pauschale (6 × 205,90 Euro, Kündigungsfrist nicht eingerechnet). Der niedrige Stundenpreis rechnet sich also nur, wenn Ihr Kind die Hilfe wirklich lange braucht, und das weiß zu Beginn niemand.

Zum Vergleich: was Familien gezahlt haben

Eine neutrale Vergleichsgröße gibt es nur aus der Elternbefragung von 2014/15, über alle Altersstufen. Wer für Nachhilfe zahlte, gab im Schnitt 87 Euro im Monat aus, hochgerechnet etwa 1.043 Euro im Jahr.[1]

Ausgaben im Monat Anteil der Nachhilfefamilien (2014/15)
nichts26 %
bis 50 €18 %
51 bis 100 €30 %
101 bis 150 €15 %
151 bis 200 €4 %
über 200 €2 %
keine Angabe5 %

Als Kinderbetreuungskosten lässt sich Nachhilfe nicht von der Steuer absetzen, denn das Einkommensteuergesetz nimmt Unterricht ausdrücklich aus.[29] Ob in Sonderfällen etwas anderes gilt, klären Sie mit einer Steuerberatung.

Verträge: Laufzeit, Kündigung, Widerruf

In Allgemeinen Geschäftsbedingungen über regelmäßige Dienstleistungen ist eine erste Laufzeit von mehr als zwei Jahren unwirksam; 24 Monate sind also erlaubt. Verlängert sich der Vertrag danach stillschweigend, dann nur auf unbestimmte Zeit und jederzeit kündbar mit höchstens einem Monat Frist. Auch vor Ende der ersten Laufzeit darf die Kündigungsfrist höchstens einen Monat betragen.[31] Das gilt für Verträge seit dem 1. März 2022.[32] Planen Sie trotzdem so, als kämen Sie vor Ende der ersten Laufzeit nicht heraus.

Wer einen Laufzeitvertrag über eine Website abschließen kann, muss dort auch kündigen können, über eine Schaltfläche „Verträge hier kündigen“ oder eine ähnlich eindeutige Beschriftung.[33] Das gilt seit dem 1. Juli 2022, auch für ältere Verträge.[32]

Schließen Sie den Vertrag online, am Telefon oder außerhalb von Geschäftsräumen, haben Sie ein Widerrufsrecht.[34] Die Frist beträgt 14 Tage ab Vertragsschluss, eine Begründung brauchen Sie nicht, und es genügt, den Widerruf rechtzeitig abzuschicken.[35] Haben Sie verlangt, dass der Unterricht schon in dieser Frist beginnt, und hat der Anbieter Sie ordnungsgemäß informiert, zahlen Sie beim Widerruf Wertersatz für die bis dahin gegebenen Stunden.[36] Für einen Vertrag, den Sie im Institut unterschreiben, sieht § 312g BGB kein Widerrufsrecht vor.

Checkliste zum Abhaken

Bevor Sie einen Nachhilfevertrag unterschreiben

Druckt nur diesen Kasten, ohne den Rest der Seite.

Bildungspaket: Lernförderung auf Antrag

Bekommt Ihre Familie bestimmte Sozialleistungen, können Sie Lernförderung aus dem Bildungs- und Teilhabepaket beantragen. Berechtigt sind laut Familienportal Familien mit Kinderzuschlag, Grundsicherungsgeld (früher Bürgergeld) oder Sozialgeld, Sozialhilfe, Wohngeld oder Asylbewerberleistungen.[9], [37] Das Familienportal schreibt noch „Bürgergeld“, im Gesetz heißt die Leistung inzwischen Grundsicherungsgeld.[38]

Die Voraussetzung steht in § 28 Abs. 5 SGB II. Übersetzt: Die Schule bestätigt, dass Ihr Kind zusätzliche Hilfe braucht, um die wesentlichen Lernziele zu erreichen, und die Schule bietet diese Hilfe selbst nicht ausreichend an. Die Förderung muss außerdem angemessen und geeignet sein.[39] Eine Versetzungsgefährdung ist keine Voraussetzung;[39], [40] das stellt das Gesetz seit dem 1. August 2019 ausdrücklich klar.[41]

  1. Mit der Lehrkraft sprechen. Sie bescheinigt den Förderbedarf. Reicht die Förderung an der Schule nicht, ist auch Lernförderung außerhalb der Schule möglich.[9]
  2. Antrag stellen: beim Jobcenter, wenn Ihre Familie Grundsicherungsgeld bekommt, sonst bei Stadt, Gemeinde oder Landkreis.[9]
  3. Rechtzeitig beantragen. In der Grundsicherung muss die Lernförderung gesondert beantragt werden, für Zeiten vor dem Antrag gibt es keine Leistung.[42] Bei Kinderzuschlag und Wohngeld verjähren die Ansprüche zwölf Monate nach Ablauf des Monats, in dem sie entstanden sind.[37] Am sichersten stellen Sie den Antrag, bevor die Förderung beginnt.
  4. Die Form bestimmt die Kommune: Gutschein, Zahlung direkt an den Anbieter oder Geld.[43]

Ein Antrag ist keine Zusage: Ob und in welchem Umfang Lernförderung bewilligt wird, entscheidet die Stelle, bei der Sie ihn stellen. Ob sie auch eine Lerntherapie bei LRS oder Rechenstörung abdeckt, fragen Sie dort am besten direkt nach.

Quellen

Wir stützen uns bevorzugt auf Übersichtsarbeiten, Leitlinien und Angaben offizieller Stellen. Zuletzt geprüft am 4. Oktober 2026.

  1. [1] Klemm, K. & Hollenbach-Biele, N. (2016). Nachhilfeunterricht in Deutschland: Ausmaß, Wirkung, Kosten. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung. Elternbefragung von infratest dimap, Anfang 2015. Abgerufen 04.10.2026. bertelsmann-stiftung.de
  2. [2] Hille, A., Spieß, C. K. & Staneva, M. (2016). Immer mehr Schülerinnen und Schüler nehmen Nachhilfe, besonders in Haushalten mit mittleren Einkommen. DIW Wochenbericht 6/2016, S. 111 ff. Daten aus SOEP und „Familien in Deutschland“. Abgerufen 04.10.2026. diw.de
  3. [3] Studienkreis GmbH (2024). Forsa-Umfrage: Unterstützung beim Lernen. Pressemitteilung eines Nachhilfeanbieters zu einer Auftragsumfrage. Abgerufen 04.10.2026. studienkreis.de
  4. [4] Luplow, N. & Schneider, T. (2014). Nutzung und Effektivität privat bezahlter Nachhilfe im Primarbereich. Zeitschrift für Soziologie, 43(1), 31–49. Berichtet auch über die Arbeiten von Haag, Hosenfeld und Dohmen u. a. doi.org
  5. [5] Education Endowment Foundation (Review zuletzt aktualisiert Juli 2021). Teaching and Learning Toolkit: One to one tuition. Abgerufen 04.10.2026. educationendowmentfoundation.org.uk
  6. [6] Nickow, A., Oreopoulos, P. & Quan, V. (2024). The Promise of Tutoring for PreK–12 Learning: A Systematic Review and Meta-Analysis of the Experimental Evidence. American Educational Research Journal, 61(1), 74–107. doi.org
  7. [7] Education Endowment Foundation (Review zuletzt aktualisiert Juli 2021). Teaching and Learning Toolkit: Small group tuition. Abgerufen 04.10.2026. educationendowmentfoundation.org.uk
  8. [8] VNN Bundesverband Nachhilfe- und Nachmittagsschulen e. V. (o. D.). Über den VNN. Branchenverband. Abgerufen 04.10.2026. nachhilfeschulen.org
  9. [9] Familienportal des Bundes, BMBFSFJ (o. D.). Bildung & Teilhabe. Abgerufen 04.10.2026. familienportal.de
  10. [10] Bundesministerium der Justiz (o. D.). Sozialgesetzbuch Achtes Buch (SGB VIII), § 24. gesetze-im-internet.de. Abgerufen 04.10.2026. gesetze-im-internet.de
  11. [11] BMBFSFJ (Stand 03.12.2025). Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder. Abgerufen 04.10.2026. bmbfsfj.bund.de
  12. [12] Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung (16.12.2024). Kostenlose individuelle Lernförderung: Hamburgs Schulen melden 74.000 Teilnahmen an 12.000 Kursen. Pressemitteilung. Abgerufen 04.10.2026. hamburg.de
  13. [13] Ministerium für Schule und Bildung NRW (zuletzt geändert 24.03.2025). Ausbildungsordnung Grundschule (AO-GS) mit Verwaltungsvorschriften, § 7. BASS 13-11 Nr. 1.1. Abgerufen 04.10.2026. bass.schule.nrw
  14. [14] Senatsverwaltung für Bildung Berlin (Stand: VO vom 22.09.2025). Grundschulverordnung (GsVO), § 23. Abgerufen 04.10.2026. gesetze.berlin.de
  15. [15] BMBFSFJ (o. D.). Startchancen-Programm. Abgerufen 04.10.2026. bmbfsfj.bund.de
  16. [16] BMBFSFJ (o. D.). Fragen und Antworten zum Startchancen-Programm. Abgerufen 04.10.2026. bmbfsfj.bund.de
  17. [17] Staatliche Schulämter Hessen (o. D.). Schulpsychologische Beratung und Prävention. Abgerufen 04.10.2026. schulaemter.hessen.de
  18. [18] Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus (o. D.). Staatliche Schulberatung in Bayern. Abgerufen 04.10.2026. schulberatung.bayern.de
  19. [19] Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg (o. D.). Schulpsychologische Dienste. Abgerufen 04.10.2026. km.baden-wuerttemberg.de
  20. [20] Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (federführend) (2018). S3-Leitlinie: Diagnostik und Behandlung der Rechenstörung. Langfassung. AWMF-Register-Nr. 028-046, Version 1.0 vom 25.02.2018, gültig bis 24.02.2023, abgelaufen und in Überarbeitung. Abgerufen 04.10.2026. register.awmf.org
  21. [21] AWMF (o. D.). Leitlinien-Register: 028-046 S3-Leitlinie Diagnostik und Behandlung der Rechenstörung, Reiter „Anmeldung“ (geplante Fertigstellung der Neufassung 31.12.2026). Abgerufen 04.10.2026. register.awmf.org
  22. [22] Gemeinsamer Bundesausschuss (2025). Heilmittel-Richtlinie (HeilM-RL), in Kraft seit 05.08.2025, Anlage 1. Abgerufen 04.10.2026. g-ba.de
  23. [23] Bundesministerium der Justiz (o. D.). Sozialgesetzbuch Achtes Buch (SGB VIII), § 35a. gesetze-im-internet.de. Abgerufen 04.10.2026. gesetze-im-internet.de
  24. [24] Schülerhilfe (o. D.). Nachhilfe Preise der Schülerhilfe. Anbieterseite. Abgerufen 04.10.2026. schuelerhilfe.de
  25. [25] ABACUS Nachhilfe (o. D.). Erfolge und Kosten. Anbieterseite. Abgerufen 04.10.2026. abacus-nachhilfe.de
  26. [26] GoStudent (o. D.). Preise. Anbieterseite. Abgerufen 04.10.2026. gostudent.org
  27. [27] Studienkreis GmbH (Stand 10/2025). Unsere Preise im Überblick, Preisblatt „Tarif zwei_24“. Abgerufen 04.10.2026. studienkreis.de
  28. [28] Studienkreis GmbH (o. D.). Online Nachhilfe Preise. Anbieterseite. Abgerufen 04.10.2026. studienkreis.de
  29. [29] Bundesministerium der Justiz (o. D.). Einkommensteuergesetz (EStG), § 10 Abs. 1 Nr. 5. gesetze-im-internet.de. Abgerufen 04.10.2026. gesetze-im-internet.de
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  31. [31] Bundesministerium der Justiz (o. D.). Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), § 309 Nr. 9. gesetze-im-internet.de. Abgerufen 04.10.2026. gesetze-im-internet.de
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  35. [35] Bundesministerium der Justiz (o. D.). Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), § 355. gesetze-im-internet.de. Abgerufen 04.10.2026. gesetze-im-internet.de
  36. [36] Bundesministerium der Justiz (o. D.). Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), § 357a. gesetze-im-internet.de. Abgerufen 04.10.2026. gesetze-im-internet.de
  37. [37] Bundesministerium der Justiz (o. D.). Bundeskindergeldgesetz (BKGG), § 6b. gesetze-im-internet.de. Abgerufen 04.10.2026. gesetze-im-internet.de
  38. [38] Bundesministerium der Justiz (o. D.). Sozialgesetzbuch Zweites Buch (SGB II), § 19 (aktuelle Fassung). gesetze-im-internet.de. Abgerufen 04.10.2026. gesetze-im-internet.de
  39. [39] Bundesministerium der Justiz (o. D.). Sozialgesetzbuch Zweites Buch (SGB II), § 28. gesetze-im-internet.de. Abgerufen 04.10.2026. gesetze-im-internet.de
  40. [40] Bundesministerium der Justiz (o. D.). Sozialgesetzbuch Zwölftes Buch (SGB XII), § 34. gesetze-im-internet.de. Abgerufen 04.10.2026. gesetze-im-internet.de
  41. [41] BMBFSFJ (12.04.2019). Bundesrat stimmt dem Starke-Familien-Gesetz zu. Meldung. Abgerufen 04.10.2026. bmbfsfj.bund.de
  42. [42] Bundesministerium der Justiz (o. D.). Sozialgesetzbuch Zweites Buch (SGB II), § 37. gesetze-im-internet.de. Abgerufen 04.10.2026. gesetze-im-internet.de
  43. [43] Bundesministerium der Justiz (o. D.). Sozialgesetzbuch Zweites Buch (SGB II), § 29. gesetze-im-internet.de. Abgerufen 04.10.2026. gesetze-im-internet.de

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Hat Pädagogik und Informatik studiert. Schreibt hier über den Forschungsstand zum Lernen und prüft digitale Lernhilfen technisch, bevor sie hier erwähnt werden.

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